Foto: Tobias Kircher

Dr. Michael Ahlsdorf

02.10.1961 geboren in Berlin

1980 Abitur an der Eckener-Oberschule Berlin

1981 – 1988 Studium Philosophie, Politologie, ev. Theologie an der Freien Universität Berlin

1988 Magister Artium

1991 Promotion in Evangelischer Theologie zum Thema

Nietzsches Juden. Die philosophische Vereinnahmung des alttestamentlichen Judentums und der Einfluss von Julius Wellhausen in Nietzsches Spätwerk

1991 – 1997 Buchautor und Freier Journalist für verschiedene Zeitschriften

1997 – 1999 Redakteur der Zeitschrift Bikers News in Mannheim

1999 – 2015 Leitender Redakteur und Chefredakteur der Zeitschrift Bikers News

2016 – 2020 Chefreporter der Zeitschrift Bikers News

Chefredakteur eines Rocker-Magazins

Als Chefredakteur des Rocker-Magazins „Bikers News“ kann man es zu einer gewissen Prominenz bringen. Die Ereignisse hatten mir dabei wohl geholfen. Ich übernahm die Leitung der Bikers News-Redaktion als Nachfolger von Doc Baumann in genau dem Jahr, in dem der Bones MC zum Hells Angels MC übertrat und eine Woche später der Ghostrider’s MC zum Bandidos MC. Das war das Jahr 1999, und damit begann in Deutschland das, was in Politik und Boulevard-Medien gerne „Rockerkrieg“ genannt wird.

Mein Posten zwischen den Fronten wurde ein ziemlich heißer Stuhl. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, dass mich keine Umstände zwangen, ihn zu verlassen. Erst zum Ende des Jahres 2015 trat ich zurück und überließ den Platz meinem Kollegen Tilmann Ziegenhain.

Das Jahr war kein Zufall. In der Mitte des Jahres 2015 hob der Bundesgerichtshof das bundesweite Colour-Verbot auf. Bandidos MC, Gremium MC und Hells Angels MC durften ihre Abzeichen wieder in der Öffentlichkeit tragen, bis eine Änderung des Gesetzes ihnen das Tragen ihrer Abzeichen im Jahr 2017 wieder verbot.

Mit der kurzfristigen Aufhebung des Colour-Verbots im Jahr 2015 ging ein Aufatmen durch die Szene. Alle schienen verstanden zu haben, und in der Rocker-Szene schien Frieden einzukehren. Das wiederum schien für mich der rechte Zeitpunkt zu sein, die Chefredaktion ohne Not abzugeben. Die turbulenten Ereignisse zweier Jahrzehnte hatten auch an meiner Kondition gezehrt, und als Chefreporter wollte ich ab dem Jahr 2016 einfach nur noch Storys schreiben.

Schließlich teilten Tilmann und ich uns die Redaktion. Wäre mein geschätzter Tilmann nicht mein Kollege gewesen, so wäre er mein Freund. Aber auch gemeinsam konnten wir nichts gegen die sinkenden Verkaufszahlen der Bikers News im Wettlauf mit dem kostenfreien Internet tun. Unser Verlag ging im Jahr 2020 in die Insolvenz und existierte seit dem 1. Juli 2020 nicht mehr.

Als Philosoph unter Rockern

Nun aber zu meiner Prominenz. Ich war natürlich nur ein C-Promi in einer Subkultur. Sie brachte mich immerhin als Sachverständigen am 12. Dezember 2016 in den Innenausschuss des Bundestages, als dort über das Colour-Verbot debattiert wurde. Darüber hinaus kamen die bürgerlichen Medien immer wieder mit Interview-Anfragen auf mich zu. Sie stellten mir meistens eine typische Frage: Wie kommt man als promovierter Philosoph und Theologe ausgerechnet in die Rocker-Szene? Nun, die Liebe zur Technik und zum Motorrad sind das eine. Ebenso empfinde ich eine intensive Affinität zu Bünden und Bruderschaften. Und dann lesen Sie bitte sorgfältig das Thema meiner Dissertation, ich nenne deren Titel absichtlich so ausführlich: „Nietzsches Juden. Die philosophische Vereinnahmung des alttestamentlichen Judentums und der Einfluss von Julius Wellhausen in Nietzsches Spätwerk“ Wer sich mit der Materie ein wenig auskennt, wird wissen, dass es bei diesem Thema um die große Frage geht, wie Menschen sich selbst ein Glaubensgebilde zusammenzimmern können. Auch Rocker-Clubs sind in vielerlei Hinsicht religiös aufgeladene Institutionen, auch ein Motorcycle Club (MC) ist ein freigewähltes Glaubensgebilde, das im Idealfall ein ganzes Leben besteht. Bürgerliche Ehen halten in der Regel nicht so lange, Religionen auch nicht mehr unbedingt. Unter Menschen, deren Leben gänzlich unter Namen und Farben ihres Clubs steht, habe ich nun mehrere Jahrzehnte meines eigenen Lebens führen dürfen. Ich werde diese Jahrzehnte nie vergessen und bin dankbar für die große Gnade unter solchen Menschen gelebt zu haben, deren Universum so bunt und so schillernd ist, wie ein Außenstehender es sich nicht vorstellen kann. Ich habe die faszinierendsten und die durchgeknalltesten Typen kennen und lieben gelernt. Und ich fühle mich noch immer als einer von ihnen, wenn ich auch seit der Insolvenz unseres Verlages nicht mehr professionell für sie tätig sein kann.

Weitere Leidenschaften

Übrigens liebe ich neben Rockern und meinen beiden Kindern noch ein paar andere Dinge: Die Philosophie, die Literatur, die Militärgeschichte und die Musik, gerne die Zwölftönige. Wer meine Qualifikationen zu diesen Themen in Anspruch nehmen will, der möge sich über das Kontaktformular auf dieser Seite an mich wenden.

Michael Ahlsdorf

NEU
Michael Ahlsdorf

Auf heißem Stuhl im Rockerkrieg

Als Chefredakteur eines Rockermagazins zwischen Hells Angels und Bandidos

20,00 Euro

Hannibal Verlag

Innsbruck 2021, 224 S., ISBN 978-3-85445-710-7

Kontaktanfrage


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    Buchveröffentlichungen

    Co-Autor und Mitarbeit

    Schneller Essen. 101 Kantinen in Berlin. Be.Bra Verlag, Berlin, 1996

    Alles über Rocker. Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen. Huber Verlag, Mannheim, 2017, 5. Auflage

    Nietzsches Juden. Die philosophische Vereinnahmung des alttestamentlichen Judentums und der Einfluss von Julius Wellhausen in Nietzsches Spätwerk. Shaker Verlag, Aachen, 1997

    1000 Motorräder. Geschichte, Klassiker, Technik. Naumann & Göbel Verlag, Köln, o.J.

    The Art of Racing. Huber Verlag, Mannheim, 2017

    Jagd auf die Rocker. Huber Verlag, Mannheim, 2016